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Gut geplant in den Urlaub – verreisen in den Ferien trotz Diabetes

Am vergangenen Wochenende haben in Bayern die langersehnten Sommerferien begonnen. Für viele Familien geht es in den wohlverdienten Urlaub. Unbeschwert verreisen in alle Länder dieser Welt – das ist auch für die rund 1,2 Millionen Diabetiker aus Bayern fast ohne Einschränkungen möglich. „Mit entsprechender Planung steht einem entspannten Urlaub nichts im Wege“, sagt Prof. Dr. Brigitte Mayinger. Die Chefärztin der II. Medizinischen Klinik am Helios Klinikum München West hat hilfreiche Tipps für den Umgang mit der Stoffwechselerkrankung während einer Urlaubsreise.

„Während wir einem Diabetiker vor 30 Jahren von weiten Fernreisen abgeraten haben, gibt es heute kaum noch Einschränkungen“, so Mayinger. Wichtig sei eine gründliche Vorbereitung und Planung. So sollten etwa das Wissen über die eigene Krankheit aufgefrischt und die landestypischen Gegebenheiten des Urlaubsziels berücksichtigt werden (siehe Infokasten: Reise-Checkliste für Diabetiker).

Während der Reise häufiger den Blutzucker messen

Bei Fernreisen könne es in den ersten Tagen zu schwankenden oder erhöhten Blutzuckerwerten kommen. „Schuld daran ist ein erhöhtes Stressniveau im Körper. Die Belastungen der Anreise, die Gewöhnung an die neue Umgebung, eine Zeitverschiebung oder ein anderes Klima können das Zusammenspiel der Hormone verändern und bewirken Schwankungen des Blutzuckerspiegels“, erklärt die Spezialistin für Stoffwechselerkrankungen. Sie empfiehlt, den Blutzucker im Urlaub öfter zu kontrollieren, als zu Hause. Denn „auch ungewohnte körperliche Aktivität und ein anderer Tagesrhythmus können den Zuckerspiegel im Blut beeinflussen“, so die Chefärztin des Pasinger Krankenhauses, das von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) als „Diabeteszentrum DDG für Typ 1 und Typ 2 Diabetiker“ zertifiziert ist.

Füße vor Verletzungen schützen

Eine häufige und gefährliche Folgekomplikation bei Menschen mit Diabetes ist das diabetische Fußsyndrom. Deshalb sollte ein Blick auf die Füße nicht vergessen werden. „Barfuß laufen – vor allem im heißen Sand – führt häufig ebenso zu Problemen, wie das Tragen neuer Schuhe bei einem Strandspaziergang“, weiß Mayinger. Durch eine verminderte Schweißbildung wird die Haut an den Füßen trocken und rissig – und somit anfälliger für Verletzungen. Oft werden diese aber durch Störungen in den Nerven nicht rechtzeitig bemerkt; es entstehen Wunden, die nicht versorgt werden. „Jeder Diabetiker sollte auf seine Füße achtgeben, um einen unbeschwerten Urlaub nicht zu gefährden“, sagt Brigitte Mayinger. „Vor allem bei Menschen, die über lange Zeit mit einem schlecht eingestellten und erhöhten Blutzuckerspiegel leben, besteht ein hohes Risiko für Komplikationen an den Füßen und Unterschenkeln.“ Damit die Entspannung auch nach dem Urlaub anhält, rät sie Betroffenen, ihre Füße täglich nach kleinen Rissen oder Verletzungen abzusuchen und sie anschließend gut zu pflegen.

Reise-Checkliste für Diabetiker

  • Informationen über landesspezifische Gegebenheiten, etwa zu Klima, Hygiene und medizinischer Versorgung
  • Informationen über Fahr- und Flugzeiten, Verpflegung und Unterbringung
  • Individuelle Rücksprache mit dem betreuenden Arzt/Diabetesberater, etwa ob bei Problemen im Ausland per E-Mail Kontakt aufgenommen werden darf (ein Service, den mittlerweile viele Diabetes-Praxen bieten)
  • Wenn kein Ausweis (z.B. internationaler Diabetes-Pass) über die Notwendigkeit von Spritzen und Nadeln im Handgepäck vorhanden ist, entsprechendes Informationsmaterial für die Kontrollen mitnehmen
  • Notwendigkeit einer Auslandskrankenversicherung abklären
  • Die wichtigsten Sätze in der Landessprache aufschreiben: „Ich bin Diabetiker.“ – „Ich brauche Zucker.“ – „Ich brauche einen Arzt.“
  • Informationen über länderspezifische Bestimmungen beim Reise­veranstalter einholen, evtl. Umrechnungstabelle von mgdl in mmol/l bereithalten, um im Notfall mitreden zu können
  • Verfügbarkeit erforderlicher Medikamente im Urlaubsland überprüfen und ausreichenden Vorrat einplanen (gilt auch für Traubenzucker oder andere schnell wirksame Kohlenhydrate sowie ggf. eine Glukagon-Spritze)
  • Ersatzbatterien für Blutzuckermessgerät oder ein Zweitgerät und eine ausreichende Menge an Teststreifen einpacken
  • Bei Flugreisen: mindestens die Hälfte der Diabetes-Utensilien ins Handgepäck, damit ein Kofferverlust nicht im Krankenhaus endet
  • Im Vorfeld über die landestypische Ernährung (insbesondere über den Kohlenhydrat-Gehalt) informieren, um die erforderliche Insulinmenge sicherer abschätzen zu können
  • Allgemeine Empfehlungen zur Vermeidung von Magen-Darm-Infektionen besonders ernst nehmen